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NAZARENER

Aus dem 1809 von Friedrich Overbeck und Franz Pforr in Wien gegründeten Lukasbund entsteht im darauffolgenden Jahr in Rom eine ständig wachsende Gemeinschaft von Künstlern, die später als Nazarener bezeichnet werden.

Ihre Werke kennzeichnen eine idealisierende figürliche Darstellung, die Betonung der Linie und eine durchscheinend aufgetragene Lokalfarbigkeit. Die Mitglieder dieses Bundes streben nach dem bereits in der Frühromantik beschworenen Ideal des Künstlers, der seine Werke aus tiefer religiöser Empfindung schafft. Ihre formalen Vorbilder finden sie in der altdeutschen Malerei, der Kunst Albrecht Dürers und der italienischen Frührenaissance. Die Verehrung dieser Meister geht so weit, dass sich die jungen Künstler nach ihrer Art kleiden und frisieren. Neben der angestrebten Erneuerung der Kunst aus dem Geist des Christentums ist ihr Kunst- und Lebensstil nicht zuletzt national-patriotisch motiviert. Der damals vorherrschende Klassizismus ist zu dieser Zeit auch das ästhetische Ideal der Napoleonischen Ära, also das der französischen Fremdherrschaft. Diese an der Antike orientierte Stilrichtung widerspricht in den Augen der Nazarener den redlichen deutschen Charaktertugenden. Mit einem die eigene Vergangenheit romantisch verklärenden Nationalbewusstsein und der Förderung durch König Ludwig I. von Bayern gewinnen die Nazarener in den 1820er-Jahren an Einfluss und dominieren für fast zwei Jahrzehnte die großen Kunstakademien in München, Düsseldorf und Berlin.