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Johan Thorn Prikker

1868–1932

Julians Fahrt über den Fluss, 1906
Mischtechnik auf Zeichenkarton, auf Leinwand aufgezogen
113,8 x 258,5 cm / Bezeichnet u. r.: Nov. 06.
Inv.-Nr. 2012.006 / Erworben 2010 vom Verein der Freunde
und Förderer des Clemens-Sels-Museums e.V. (2010 Dauerleihgabe, 2012 Schenkung)

Johan Thorn Prikker ist mit zentralen Werken im Neusser Bestand vertreten, der durch den Ankauf des Wandbildentwurfs von 1906 eine entscheidende Ergänzung erfährt. Denn dieses Werk entstand während seiner Lehrtätigkeit von 1904 bis 1910 an der Kunstgewerbeschule in Krefeld – eine Zeit, die bislang nur vereinzelt in der Sammlung dokumentiert ist. Es zeigt eine Szene aus der „Legende vom Heiligen Julian, dem Gastfreien“ in der „Legenda aurea“ des Jacobus de Voragine. Thorn Prikker verdichtet das dramatische Geschehen, das er zu einem ornamentalen Gefüge aus geschwungenen Linien und farbigen Flächen virtuos zusammenfasst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lassen sich zahlreiche Künstler wie Heinrich Campendonk, der namhafteste Schüler Thorn Prikkers, von der modernen Adaption des mittelalterlichen Stoffs durch Gustave Flaubert, inspirieren. Dass sein Lehrer ihn stilistisch und inhaltlich beeinflusst, lässt sein Wandbildkarton eindrücklich erkennen. Obwohl Campendonk einer strengeren Anlage und geometrischeren Bildsprache verpflichtet ist, spiegelt sich in der Darstellung die lineare Flächigkeit ebenso wie die charakteristische Stilisierung und ornamentale Auffassung der Naturformen seines großen Vorbilds wider.

Heinrich Campendonk
Heiliger Julian, jagend, um 1907
Eitempera auf Zeichenkarton, auf Leinwand aufgezogen / 144 x 331 cm
Bezeichnet u. r.: H. CAMPENDONK
Inv.-Nr. 1964Ma071 / Erworben 1964