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Jacob Gerritsz. Cuyp

1594–1652

Kinderbildnis, 1640
Öl auf Holz / 118,5 x 85 cm 
Bezeichnet u. l.: G Cuyp / ANNO 1640 
I ½ / Inv.-Nr. D1324 / Sammlung Dr. Clemens Sels

Jacob Gerritsz. Cuyp ist vor allem für seine ansprechenden Kinderbildnisse berühmt. Zur damaligen Zeit betrachtet man die Kindheit nicht als eigenen Lebensabschnitt und sieht Kinder als unfertige Erwachsene an. Daher ist das Mädchen wie eine Erwachsene gekleidet. Während Gesicht und Ausstaffierung individuell behandelt sind, entsprechen Rose und Kirschen in den Händen einem üblichen Regelwerk. Die Rose steht für die Schönheit des heranwachsenden Kindes und betont den femininen Charakter des Bildes. Gemeinsam mit den roten Kirschen hat die Blume aber auch allegorischen Charakter. Frei übersetzt sagt ein altes niederländisches Sprichwort, dass grüne Kirschen rot und kleine Kinder groß werden sollen. In Zeiten hoher Kindersterblichkeit drücken voll erblühte Rosen und reife Kirschen also die Hoffnung der Eltern aus, ihr Kind bis ins Erwachsenenleben „heranreifen“ zu sehen. Das sorgfältig gemalte Kinderporträt zeugt damit sowohl von der elterlichen Liebe als auch von dem großen Repräsentationsbedürfnis eines selbstbewussten Bürgertums.