Bert Gerresheim
Extramundi.
Eine Jenseitsreise – 99 Vexierbilder

5. Dezember 2013 bis 5. März 2014

 

Die Ausstellung umfasste eine Auswahl von Bleistiftzeichnungen und Frottagen aus dem Zyklus „Extramundi" von Bert Gerresheim. Die gesamte Mappe wurde dem Clemens-Sels-Museum Neuss als großzügige Schenkung des Künstlers überlassen. Die aktuellen Blätter ließen eine vielschichtige und facettenreiche Auseinandersetzung mit ausgesuchten Themen erkennen, die von der antiken Mythologie über die Philosophie und Kunstgeschichte bis zu berühmten Künstlerpersönlichkeiten wie Francisco de Goya und Max Ernst reichten. Die Blätter bestechen nicht nur durch ihre meisterhafte Ausführung, sondern nehmen durch ihre symbolistisch-surrealistische Bildsprache auch einmaligen Bezug auf die bedeutende Sammlung des Clemens-Sels-Museums Neuss. 



Bert Gerresheim, bis dann in Extramundi. Blatt I/1, 2013,
Bleistiftzeichnung, Frottage, Clemens-Sels-Museum Neuss

Schäumendes Bier und erfrischende
Kühle
Historische Werbeplakate aus der
Sammlung Heinrich Becker

Feld-Haus – Museum für populäre Druckgrafik
18. August bis 29. September 2013

 

Das Feld-Haus – Museum für populäre Druckgrafik präsentierte in dieser Ausstellung eine Auswahl historischer Werbeplakate zum Thema „Bier“ aus der Sammlung des Kölner Brauers Heinrich Becker. Jahrhunderte lang wurde Bier fast ausschließlich dort getrunken, wo es hergestellt wurde. Bier war ein leicht verderbliches Produkt. Erst die Entwicklung einer modernen Kühltechnik ermöglichte es den Brauern, ihre Produkte ohne Qualitätsverlust zu transportieren und auch weit entfernt zu verkaufen. Aber während die alten Kunden wussten, dass das in ihrer Nachbarschaft gebraute Bier gut war, musste es den neuen Konsumenten erst einmal „schmackhaft“ gemacht werden. Nun entdeckten die Brauereien ein neues Feld für sich: die Plakatwerbung. Großformatige, farbenfrohe Plakate machten Passanten in Dortmund auf bayrisches Bier aufmerksam und bewarben im Gegenzug Dortmunder Export in Hamburg oder München. Um 1900 erreichte die Werbegrafik vor allem in Frankreich und Deutschland einen Höhepunkt. Namhafte Druckgrafiker und Maler entwarfen originelle Plakate, die den Betrachter bis heute ansprechen. Die Ausstellung war Teil einer Initiative des Museumsnetzwerks Niederrhein.

Niederrheinische ALTernativen -
Als das Altbier noch jung war

9. Juni bis 15. September 2013

 

Das Jahr 2013 stand am Niederrhein im Zeichen des Altbiers! Das obergärig gebraute Hopfenbier trägt diesen Namen, weil es nach „alter Tradition“ gebraut wird, denn seine Anfänge reichen bis ins Mittelalter zurück.

Ursprünglich wurde am Niederrhein ein Kräuterbier, das Grutbier, getrunken. Im Laufe des 15. Jahrhunderts setzte sich aber das Hopfenbier, der Urvater des heutigen Altbiers, durch. Bis weit in die Neuzeit hinein galt Bier nicht nur als Getränk und Genussmittel, sondern auch als Grundnahrungsmittel, das sogar zum Frühstück konsumiert wurde. Seine Wertschätzung spiegelt sich in zahlreichen aufwändig gestalteten Bierkrügen. Seit dem 18. Jahrhundert trat der Branntwein zunehmend in Konkurrenz zum Bier, dessen Konsum rapide abnahm.

Während im 19. Jahrhundert in fast ganz Deutschland das obergärig gebraute Bier von den untergärigen Pils-und Exportbieren verdrängt wurde, hielt sich das nach „alter Tradition“ gebraute Getränk am Niederrhein sowie in den Niederlanden und Belgien. Mit dem Aufkommen großer Brauereien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte das Altbier am Niederrhein eine Renaissance. Vor allem in der Umgebung von Neuss und Düsseldorf entstanden zahlreiche Brauereien, die zum Teil noch heute existieren.

Die Ausstellung war Teil des Projekts „Niederrheinische ALTernativen". Unter diesem Titel boten rund 30 deutsche und niederländische Museen und Kultureinrichtungen, die im Museumsnetzwerk Niederrhein zusammengeschlossen sind, 2013 und 2014 ein buntes Programm an Ausstellungen und Veranstaltungen zum Thema Altbier. In Neuss zeigten neben dem Clemens-Sels-Museum Neuss und dem Feld-Haus – Museum für populäre Druckgrafik auch das Rheinische Schützenmuseum sowie das Stadtarchiv vielfältige Ausstellungen zum Thema.

Heinrich Campendonk – Holzschnitte
Grafisches Kabinett

14. März bis 30. Juni 2013    

 

Im Zuge der Neupräsentation der Kunstsammlung 2010 wurde der grafischen Sammlung des Museums ein eigenes Kabinett eingerichtet. Seitdem werden dort monografische und thematische Präsentationen gezeigt, die Einblicke in die reichen und hochkarätigen Bestände ermöglichen.

Nach der Präsentation von ausgesuchten Blättern von Max Ernst, Otto Pankok und der Künstlergruppe „Die Brücke“ wurde nun das druckgrafische Schaffen von Heinrich Campendonk vorgestellt. Es waren ausgesuchte, teils kolorierte Holzschnitte aus dem umfangreichen Bestand zu sehen, die in dieser Anzahl und Auswahl bislang noch nicht zu sehen waren. Im Grafischen Kabinett konnte man einen Künstler entdecken, der dank seiner Holzschnitte, die zumeist nur in kleinsten Auflagen erschienen, einen zentralen Platz in der Geschichte der Druckgrafik im 20. Jahrhundert einnimmt.

 

 

Heinrich Campendonk, Der Hirt mit der großen Ziege, 1920, Holzschnitt, Farbholzschnitt u. Aquarellfarbe auf Japanbütten, Clemens-Sels-Museum Neuss, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Bunte Bilder für Europa. Bilderbogen-Produktion und -Handel im 18. und 19. Jahrhundert
Feld-Haus – Museum für populäre Druckgrafik

24. März bis 21. Juli 2013

Die Ausstellung beschäftigte sich mit einem Aspekt, der uns heute selbstverständlich erscheint: mit Bildern im Alltag. Im 18. und 19. Jahrhundert fanden sie sich in jedem Haushalt: Bilderbogen – großformatige Blätter, bedruckt mit bunten Bildern und kurzen Texten. Vorläufer gab es bereits im 15. Jahrhundert. In einer Zeit, in der nur wenige Menschen lesen konnten, kam Bildern als Medium der Information und Belehrung große Bedeutung zu. In jeder größeren Stadt stellten Druckereien einzelne Blätter her, die auf der Vorderseite eine große Abbildung mit einem kurzen erklärenden Text kombinierten. Diese Bilderbogen präsentierten vor allem spektakuläre und politische Ereignisse, von denen die Menschen oft schon durch Erzählungen gehört hatten und die sie nun auch mit eigenen Augen sehen wollten: Kriege und Schlachten, die Krönung eines Herrschers, ein Meteoriteneinschlag oder ein Erdbeben in einer fernen Stadt, Fehlbildungen wie ein Kalb mit mehreren Köpfen oder exotische Tiere wie ein Elefant oder ein Löwe. Daneben bestimmten religiöse Motive und Bogen für Kinder das Angebot. Technische Innovationen, vor allem die Erfindung der Lithografie, ließen die Drucke im Laufe des 19. Jahrhunderts immer preiswerter werden. Die bunten Blätter wurden zum Mitnahmeartikel für jedermann.

Einige Verlage schafften es, sich über den lokalen Markt hinaus zu positionieren und sehr hohe Produktionszahlen zu erreichen. Einer der bekanntesten deutschen Verlage war etwa die Lithographische Anstalt von Gustav Kühn in Neuruppin bei Berlin. Einige Zahlen verdeutlichen die Produktivität dieses Verlags: Gustav Kühn gab mehr als 20.000 verschiedene Bilderbogen heraus, einige davon erschienen in Auflagen von 40.000 bis 80.000 Stück, 1832 wurden 1,2 Millionen Blatt gedruckt und während des deutsch-französischen Kriegs konnte Gustav Kühn drei Millionen Bilderbogen allein zu diesem Thema verkaufen.

Kennzeichen der Bilderbogen aus Neuruppin war die große Aktualität und Zeitbezogenheit. Für viele Menschen waren die Einblattdrucke die wichtigste Informationsquelle. Und so äußerte sich Theodor Fontane 1862 in seinem Buch „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ beeindruckt: „Lange bevor die erste ‚Illustrierte Zeitung’ in die Welt ging, illustrierte der Kühnsche Bilderbogen die Tagesgeschichte, und was die Hauptsache war, diese Illustration hinkte nicht langsam nach, sondern folgte den Ereignissen auf dem Fuße.“

Im 19. Jahrhundert wurden die gedruckten Blätter zum ersten grenzüberschreitenden Massenmedium in Europa: In Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Russland und in den Niederlanden gab es zahllose Verlage, die ihre Produkte auch in andere Länder importierten. Häufig wurden die Titel oder Texte der Bilderbogen bereits in mehreren Sprachen aufgedruckt und konnten so problemlos in verschiedenen Ländern verkauft werden. Der Verlag Friedrich Wentzel aus Weißenburg im Elsass lieferte seine Erzeugnisse nach Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Österreich und Polen. Bilderbogen aus Neuruppin gelangten bis nach Russland, und die Frankfurter Firma May Söhne produzierte spezielle Drucke, die nach Indien verkauft wurden.

Durch Kataloge, Straßenhändler oder Zeitungsannoncen fanden die Bilder Kunden in ganz Europa. Einige Orte in Gegenden mit wenigen Verdienstmöglichkeiten spezialisierten sich auf den Vertrieb. Im 19. Jahrhundert waren etwa die „italienischen Bilderhändler“ aus dem Tessin-Tal in Südtirol in ganz Europa bekannt. Die Wanderhändler zogen mit einem Holzkasten auf dem Rücken, in dem sich preiswerte Bilderbogen, aber auch hochwertige Kupferstiche der Druckerei Remondini aus Bessano befanden, zu Fuß von Ort zu Ort und verkauften ihre Ware, wo immer sie interessierte Kunden fanden: Auf Märkten, in Wirtschaften oder direkt in den Häusern der Menschen. Die Reiserrouten führten die Händler von Italien bis nach Russland und Skandinavien.

Die einzelnen Verlage entwickelten durch ihre jeweiligen Themen, ihre Druckgrafiker und ihre Kolorierung ein ganz spezifisches Profil, so dass oft schon ein einziger Blick genügt, um einen Bogen zuordnen zu können. In dieser Sonderausstellung wurden die wichtigsten deutschen und europäischen Verlage mit ihrem jeweiligen Profil und ihren Vertriebswegen vorgestellt.

 

 
Gloire nationale. Maréchal Massena, Anfang 19. Jahrhundert, Lithografie, Druck und Verlag: Pellerin, Epinal, Frankreich, Clemens-Sels-Museum Neuss 

Horizonte – Landschaft im Spiegel der Jahrhunderte

17. Februar bis 12. Mai 2013

Anhand von Meisterwerken aus der Sammlung des Clemens-Sels-Museums Neuss widmete sich die Ausstellung mit der Landschaft einem zentralen Bildthema der Kunst. Die Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken ließen in ihrer Vielfalt die charakteristischen Formen und Farben erkennen, zu denen die Künstler inspiriert wurden. Die Auswahl reichte von den Niederländern des 17. Jahrhunderts über die Symbolisten und „Nabis“ des 19. Jahrhunderts bis zu den Expressionisten und Modernen Primitiven des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung bot einen repräsentativen Einblick in die einmalige Sammlung und stellte nach 2012 weitere Schätze des Hauses vor: Es gab ein Wiedersehen mit bedeutenden, teils erst selten gezeigten Stücken, die in diesem Kontext bislang noch nie präsentiert wurden. Diese reichten von Werken der flämischen und niederländischen Meister über den Gründer der Düsseldorfer Malerschule Johann Wilhelm Schirmer bis zu den vom japanischen Farbholzschnitt inspirierten Gemälden von Maurice Denis und Emil Orlik. Das Zukunftsweisende der expressionistischen Interpretationen war anhand von Werken Campendonks, Rohlfs und Nauens ebenso zu sehen wie die unverwechselbaren Bildlösungen der Naiven von Nikifor, Camille Bombois oder Emma Stern. Die Ausstellung bot vielfältige Einblicke, die die künstlerische Auseinandersetzung mit der Landschaft präsentierten und die Sammlung des Hauses neu beleuchteten.

 

 

Emil Orlik, Ein alter Garten in Kyoto, 1900, Gouache auf Papier, Clemens-Sels-Museum Neuss