Wunsch und Erfüllung – Weihnachtsbriefe, Wunschzettel und erfüllte Kinderträume aus Papier
Feld-Haus – Museum für populäre Druckgrafik

6. November 2011 bis 29. Januar 2012

 

Das Fest der Feste ist ganz sicher Weihnachten. Kaum jemand kann sich dieser stimmungsvollen Zeit entziehen, die besonders für Kinder ein Jubelfest ist – werden doch gerade sie seit dem 19. Jahrhundert reich beschenkt. Das weihnachtliche Schenken kannte man schon zuvor. Aufgrund des Glaubens, dass Gott seinen Sohn den Menschen schenkte, waren die Christen aufgerufen, den Armen zu Christi Geburt Gutes zu tun. Irgendwann begann man auch seine Lieben zu beschenken. Den frühesten Hinweis liefert Martin Luther. Er bezeugte, dass die Kinder im Namen von Sankt Nikolaus und des Christkinds kleine Geschenke erhielten. Die Reformation führte dann auch zu einer brauchtümlichen Spaltung. Während bei den Protestanten die Kinder fast ausschließlich zum Weihnachtsfest Gaben erwarten durften, bekamen katholische Kinder zu Sankt Nikolaus etwas. In vielen katholischen Regionen hielt man an dieser Tradition bis ins 20. Jahrhundert fest. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Weihnachten zu einem ausgesprochenen Bescherfest für Kinder mit oft üppigen Gabentischen. Beliebte Geschenke waren auch papierne Dinge wie Kinder- und Jugendbücher, Bilder- und Bastelbogen, Puzzle und andere Gesellschaftsspiele sowie Ausschneidebogen und Papiertheater. Wunschzettel, auf denen die Kinder ihre Sehnsüchte notierten, kamen erst zum Ende des 19. Jahrhunderts auf, als Weihnachten vom Kult des Bescherens überlagert wurde. Zuvor kannte man eine andere Tradition. Kinder schrieben aus Ehrfurcht und Dankbarkeit an ihre Eltern Briefe, um ihnen mit frommen Geschichten und Gedichten frohe Weihnachten zu wünschen.

Ein Großteil der präsentierten Objekte stammte aus der Schenkung von Dr. Irmgard Feldhaus, die ihre private Sammlung zur populären Druckgrafik 2006 der Stadt Neuss übereignete. Daneben wurden ergänzend weitere weihnachtliche Druckgrafiken aus dem Bestand des Clemens-Sels-Museums Neuss gezeigt.

 

Bert Gerresheim –
Oostender Stundenbuch

17. November 2011 bis 1. Januar 2012

Das Clemens-Sels-Museum Neuss präsentierte eine Auswahl von Blättern aus der Mappe „Oostender Stundenbuch“ des Düsseldorfer Künstlers Bert Gerresheim. Die insgesamt 66 Bleistift-Zeichnungen gründen auf der intensiven Auseinandersetzung mit dem großen belgischen Symbolisten James Ensor.

Bert Gerresheim stellte in einem Künstlergespräch am 17. November 2011 um 13 Uhr mit der Museumsdirektorin Dr. Uta Husmeier-Schirlitz erstmals die Blätter seines „Oostender Stundenbuchs“ vor und offenbarte dem Publikum seine zentralen Inspirationsquellen. Ergänzend zur Ausstellung wurden ausgesuchte Druckgrafiken von James Ensor aus dem Bestand des Museums und einer Privatsammlung präsentiert. 

Aristide Maillol und Maurice Denis – Eine Künstlerfreundschaft

18. September 2011 bis 8. Januar 2012

„[...] einer meiner größten Wünsche ist in Erfüllung gegangen: unsere Freundschaft, unser künstlerischer Bund.“ (Aristide Maillol an Maurice Denis, 1905)

Aus Anlass des 150. Geburtstags von Aristide Maillol widmete sich das Clemens-Sels-Museum Neuss erstmals dem „künstlerischen Bund“ zweier Wegbereiter der Moderne, die beispielhaft die Sammlung des Hauses repräsentieren: Aristide Maillol und Maurice Denis. Begleitet von bedeutenden Leihgaben aus dem In- und Ausland beleuchtete die Ausstellung anhand von zahlreichen Skulpturen und Gemälden über Handzeichnungen und Druckgrafiken die verschiedenen Facetten ihrer zukunftsweisenden Künstlerfreundschaft.

Erstmalig stellte das Museum das Werk des berühmten Bildhauers dem Schaffen des großen Malers und Theoretikers der Künstlergruppe „Nabis“ vergleichend gegenüber. Das Zusammentreffen der beiden Künstlerpersönlichkeiten 1896 bezeichnete der bekannte Denis-Forscher Jean-Paul Bouillon sogar einmal als „historischen Augenblick in der Geschichte der Kunst“, deren gegenseitiger Bedeutung und Einflussnahme bislang keine Ausstellung ausgerichtet wurde.

Die Präsentation wurde von einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm begleitet, das von Vorträgen und Expertengesprächen über Lesungen und Workshops bis hin zu einer jungen Nacht für Jugendliche und junge Erwachsene reichte. 

Von Ensor bis Matisse – Hommage an Irmgard Feldhaus (1920–2010)

20. Mai bis 14. August 2011

Mehr als 50 hochkarätige Gemälde, Aquarelle und Holzschnitte sowie herausragende Malerbücher und -mappen hat die im Alter von 90 Jahren verstorbene Dr. Irmgard Feldhaus dem Clemens‑Sels‑Museum Neuss hinterlassen. In einer umfassenden Hommage an die Mäzenin und ehemalige Direktorin des Hauses wurden über 160 Exponate aus ihrer Sammlung gezeigt.

Insbesondere den herausragenden französischen Malerbüchern war fast eine ganze Etage gewidmet: Neben Marc Chagalls Bibel‑Illustrationen und dem berühmten Künstlerbuch „Jazz” von Henri Matisse waren Arbeiten von Fernand Léger, Maurice Denis und Aristide Maillol zu sehen. Stets geleitet von einem unerklärlichen Instinkt und einer großen Kennerschaft konnte Irmgard Feldhaus auch die berühmte Mappe „Jahrmarkt“ von Max Beckmann schon früh erwerben. Durch die Integration von Touchscreens und Faksimiles bestand für den Besucher zudem die Möglichkeit, auch die verborgenen Seiten der Bücher und Mappenwerke zu entdecken. 

Einen besonderen Höhepunkt stellte das Ölbild „Die Marquise“ von James Ensor aus dem Jahr 1911 dar. Zusammen mit „Der bürgerliche Salon“ und dem „Asternstillleben“ von 1905 konnte das gekonnte Spiel des belgischen Symbolisten mit verschiedenen Wirklichkeitsebenen erforscht werden. Die Rheinischen Expressionisten bekamen unter anderem Zuwachs durch Heinrich Campendonks Aquarell „St. Nikolaus”  und durch die „Straße in Bonn“ von Paul Adolf Seehaus, dem ersten und einzigen Schüler August Mackes. Irmgard Feldhaus ahnte schon früh, dass man sich eines Tages auf breiter Ebene für die Farbmalerei interessieren und über die Kunst der Naiven nicht mehr lächeln, sondern anerkennend staunen würde: So waren in der Ausstellung ebenso Serigrafien von Josef Albers und Gemälde des „deutschen Rousseau”, Adalbert Trillhaase, zu sehen.

 

Otto Pankok
Grafisches Kabinett 

24. März bis Juli 2011 


Nach Max Ernst wurde nun der Künstler Otto Pankok mit seinen druckgrafischen Arbeiten in einem eigenen Raum vorgestellt. Im Zentrum der Präsentation standen die Bildnisse und Selbstporträts des Künstlers. Insbesondere Pankoks Darstellungen von Dichtern und seine Verbindungen zur Literatur boten neue Einblicke in das Schaffen des bedeutenden deutschen Malers und Druckgrafikers. Neben internationalen Größen der Literatur wie Dostojewski porträtierte Pankok auch den Neusser Schriftsteller und Herausgeber der Publikation „Der weiße Reiter“, Karl Gabriel Pfeill. Ein besonderes Highlight bildete das äußert seltene Blatt „Tolstoj – Imaginäres Bildnis des russischen Dichters “, das nur in einer Auflage von sieben Exemplaren bekannt ist. Nicht nur seine Dichterbildnisse, sondern auch die Illustrationen zu seinem Lieblingsbuch „Die Räuber vom Liang Schan Moor“ zeigten Pankoks vielseitige Auseinandersetzung mit der Literatur. Neben den 40 Holzschnitten verfasste er auch den begleitenden Text nach dem chinesischen Roman in der Übertragung von Franz Kuhn. Darüber hinaus konnten Zitate des Künstlers an einer Hörstation abgerufen werden, die das Ringen Pankoks um seine Kunst erkennen ließen, die die Nationalsozialisten als „entartet“ diffamierten.

 

 

Otto Pankok, Selbstbildnis (schmal), 1942, Holzschnitt, Clemens-Sels-Museum Neuss

 

Otto Pankok, Tolstoj – Imaginäres Bildnis des russischen Dichters, 1942, Holzschnitt,
Clemens-Sels-Museum Neuss

Schaulust und Spiellust – Die kleine große Welt des Papiertheaters

20. Februar bis 25. April 2011


Vorhang auf! – Die große kleine Welt der Papiertheaterbogen
Feld-Haus – Museum für populäre Druckgrafik

parallel bis 16. Oktober 2011

Die Bretter, die die Welt bedeuten, können manchmal auch aus Papier sein. Denn in den 1820er Jahren kamen théatre en miniature aus Papier auf. Über 100 Jahre lang begeisterten sich vor allem die bildungsbürgerlichen Familien an den Papierbogen, aus denen Figuren, Requisiten und Theaterkulissen zu unterschiedlichen Theaterstücken ausgeschnitten wurden und mit denen man dann z.B. die „Zauberflöte“, den „Freischütz“, die „Räuber“ oder auch Märchen zur Aufführung bringen konnte – und das ganz bequem zu Hause im Kreis der Familie. Einerseits dienten die Papiertheater zur Befriedigung der menschlichen Schau- und Spiellust, andererseits machten sie die junge Generation mit dem bildungsbürgerlichen Repertoire der Theater- und Opernwelt vertraut, wobei sich damit häufig bestimmte Erziehungsziele verbanden. Da alle Bühnenstücke für das heimische Theaterspiel im Kreis der Familie bearbeitet werden mussten, wurden durch die Kürzungen vor allem die moralischen Botschaften der Stücke betont. So war eine papierne Aufführung nicht nur unterhaltend, sondern auch bildend und erziehend. Neben diesen Aspekten stellte die Ausstellung die Entwicklungsgeschichte des Papiertheaters von den Vorläufern im 17. und 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart dar. Besonders interessant waren hierbei die historischen Guckkästen aus der Zeit des Barock und des Rokoko mit ihren prächtig ausgeführten Szenen. Auch gab es interaktive Elemente, die dieses faszinierende kulturelle Phänomen erlebbar machten.

Neben den historischen und gegenwärtigen Papiertheatern präsentierte die Ausstellung auch die „Bühnenkunst" des Neusser Künstlers Armin Kaster. Seine dreidimensionalen LebensBühnenBilder sind eine zeitgenössische Form des Papiertheaters, das seine Wurzeln in der Bildenden Kunst hat. Diese poetischen, verspielten und kindlich anmutenden Gestaltungen offenbarten sich den Betrachtern vor allem durch ihre materielle Schlichtheit und luden sie ein, ihre eigenen Geschichten zu entdecken.

 

 

Aschenbrödel (Märchenspiel-Figuren), 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Deutschland