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Fernand Khnopff

1858–1921

À Bruges. Un Portail – In Brügge. Ein Portal, um 1904
Öl auf Leinwand / 44 x 87 cm
Inv.-Nr. 1985.079  / Erworben 1985

Fernand Khnopff ist Mitbegründer der symbolistischen Künstlergruppe Die Zwanzig, die 1883 zum Zentrum der belgischen Avantgarde wird. Während er in „Der Weihrauch“ seine Schwester Marguerite zur Personifikation einer Hohepriesterin erhebt, lässt er die Stadtansicht zur rätselhaften Vision einer erstarrten Welt werden. Er verewigt das Paradiesportal der spätgotischen Liebfrauenkirche, deren triste Stimmung die verschlossenen Türen und blinden Fenster ebenso wie das graue Kolorit und der schmale Bildausschnitt verstärken. Der menschenleere und scheinbar von Wasser überflutete Vorplatz verstärkt die beunruhigende Atmosphäre von Einsamkeit und kulturellem Niedergang Brügges, die in Kunst und Literatur um 1900 vielfach zum morbiden Sinnbild von Vergänglichkeit wird. 1892 erscheint der Roman „Brügge – Tote Stadt“ von Georges Rodenbach, dem bekanntesten symbolistischen Dichter Belgiens. Ähnlich wie im Roman spiegelt das Gemälde die prägenden Erinnerungen und pessimistische Weltsicht Khnopffs wieder und stellt ein wichtiges Beispiel für die damalige Auffassung dar, eine Stadtansicht als Projektionsfläche für Seelenzustände zu verstehen.