SAMMLUNGEN

COLLECTIONS

Christian Rohlfs
1849 –1938

Zwei Damen und ein Herr, um 1913
Tempera auf Leinwand / 77 x 59,5 cm
Bezeichnet u. r.: CR / Inv.-Nr. 1978.148
Erworben 1978 mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen

Mit „Weiden im Frühjahr“ und „Ostsee-Motiv“ stehen sich zwei Landschaftsbilder aus dem frühen und späten Schaffen von Christian Rohlfs gegenüber. Der Maler zählt seinerzeit zu den bedeutendsten deutschen Freilichtmalern. Das frühe Gemälde stammt aus seiner neo-impressionistischen Phase. Die Farbigkeit und der Pinselduktus zeugen von dem Einfluss Vincent van Goghs. In den 1910er-Jahren wird er zu einem der wichtigsten Vertreter des Expressionismus. Fortschreitende Abstraktion der Natur und Auflösung der Form kennzeichnen seine späte Malweise, die das kleinformatige Seebild repräsentiert. Zu den „Zwei Damen und ein Herr“ lässt sich Rohlfs von der Vereinigung „Die Brücke“ inspirieren. Insbesondere die Berliner Straßenszenen Kirchners dürften den Maler nachhaltig beeinflusst haben, der ebenso von den Kokotten und Flaneuren der Großstadt fasziniert ist. Er rückt diese allerdings an den Betrachter heran und schafft so eine geradezu intime Atmosphäre. Mit breitem Strich trägt Rohlfs die Farbe auf, die er später mit einem Borstenpinsel wieder abkratzt. So werden die darunterliegenden Farbschichten erneut sichtbar und versetzen das Bild in Schwingung. Die breiten Konturlinien verleihen besondere Ausdruckskraft und erinnern an den Holzschnitt, den Rohlfs ebenfalls durch die „Brücke“-Künstler kennenlernt.